Battlefield 3 oder: Das unentschlossene Schlachtfeld

Battlefield 3 rotiert jetzt seit einer knappen Woche im Laufwerk meiner Xbox 360, Zeit für ein Review. Meine Erlebnisse im Single- und Multiplayer sind dermaßen unterschiedlich, dass ich sie daher hier auch jeweils gesondert aufführen werde.

Der Singeplayer oder: So viel Potential

Battlefield war und ist ein Multiplayertitel. Das merkt man schon wenn man die Packung öffnet: Disc 1 – Multiplayer, Disc 2 – Singleplayer. Die Prioritäten sind eindeutig verteilt.

Man bekommt, was man von einem Kriegsshooter erwarten darf: In Kriegsschauplätzen rund um die Welt, mal alleine, mal unterwegs mit andere Soldaten, ballert man sich fröhlich durch die Gegend. Soweit nichts Neues, soweit bekannt aus hundert anderen Spielen.  Ein gewisser Blackburn muss einen Anschlag auf New York verhindern, während der russische Agent „Dima“ selbiges in Paris versucht. Erzählt wird die Story in diversen Verhörszenen, denen dann die Missionen als Flashback folgen.

Was mich am Anfang noch interessiert hat, driftete später zur losen Hülle ab, um den Ganzen einen Rahmen zu liefern. Der ständige Wechsel zwischen den Charakteren (Dima? Wer ist Dima? Ich denke ich bin Blackburn? Und warum reden auf einmal alle russisch?!) macht es nicht leichter der Handlung zu folgen. Es bleibt auch nicht bei diesen beiden Charakteren, so schlüpft man dann z.B. während einer Mission auch in die Haut von Jennifer Hawkins, um an Bord eines Kampfjets den Beifahrer bzw. –flieger zu spielen.

Die Inszenierung generell hat mir sehr gut gefallen. Die Action kommt gut rüber, grade dank der neuen Frostbite 2 – Engine. Hier zerbröselt wirklich alles, nach einem Gefecht erkennt man den ursprünglichen Schauplatz kaum mehr wieder. Auch in den ruhigeren Momenten gefiel mir Battlefield, aber auch hier gilt: der ständige Wechsel der Charaktere macht es schwer, wirkliche Nähe zu den Personen aufzubauen. Klar, das ist total dramatisch wenn mein halber Trupp tot auf der Straße liegt. Aber wenn ich davon effektiv keinen kenne, ist es halt doch nur eine weitere Szene nach der es weiter geht. Schade, hier hätte man mehr draus machen können.

Die Gegner verhalten sich nicht übermäßig schlau, haben dafür aber einiges an Feuerkraft mitgebracht. Kugeln ohne Ende fliegen einem um die Ohren, oft durfte ich mir von Raketen einen Scheitel ziehen lassen und wenn dann noch ein Panzer durch die nächste Wand bricht ist klar: Zerstörung ist angesagt.

Was letzten Endes bleibt, ist trotz allem ein schales Gefühl. Ja, ich hatte Spaß mit der Kampange. Ja, ich werde sie irgendwann mal wieder spielen. Ich finde sie nicht schlecht. Nur leider eben auch nicht überragend gut.

Multiplayer oder: Battlefield is back!

Battlefield und Multiplayer gehört genau so zusammen wie Pommes und Currywurst, Tim und Struppi oder Jungtypen und K4rt0ns. Was man bei Battlefield 3 merkt: Man nähert sich dem großen Konkurenten Call of Duty an. Die Spielgeschwindigkeit wurde eindeutig erhöt, und der neues Modus „Team Deathmatch“ ist wohl das größte Zugeständnis an all jene, die mit zielbasiertem Gameplay nicht viel anfangen können. Bei Eroberung und Rush bleibt dagegen vieles beim Alten.

Neu für mich (ich habe bisher aus der Serie nur Bad Company 2 wirklich gespielt) waren dann auch die Jets. Endlich gehört den Hubschraubern der Luftraum nicht mehr alleine. Damit sich nicht mehr alle darum prügeln müssen wer denn jetzt einen der Flieger abbekommt, kann man direkt darin spawnen. Mein größter Kritikpunkt hier, den ich auch schon bei Bad Company 2 hatte: Warum zur Hölle kann ich die Dinger nicht auch im Singleplayer mal fliegen? So bleibt es meist bei einem recht flotten Absturz beim ersten Versuch mangels Übung, nicht grade schön für das Team.

Team ist überhaupt das Stichwort, Teamplay wird nach wie vor nämlich groß geschrieben. Die vier Klassen sind gut aufeinander abgestimmt, nur wer sich während des Matches auf die verschiedenen Situationen einstellt und sich dem Team anpasst, wird hier gewinnen. Was bringen auch 20 Sniper, wenn kein Soldat da ist der Munition verteilen kann und der Gegner grade mit 5 Panzer angerollt kommt? Eben, nichts, also Teamplay bitte meine Lieben!

Das ist nebenbei aktuell auch noch eine Schwäche. Weniger vom Spiel selber, als mehr von den Spielern. Viele sind eindeutig zu sehr auf ihre Kill-/Death-Ratio fixiert, statt darauf zu achten das man bei „Eroberung“, wer hätte es vermutet, wohl auch was erobern muss. Gegner können zudem markiert werden, sie sind dann für das gesamte Team sichtbar. Man bekommt Punkte für die Sichtung falls der Gegner dann ausgeschaltet wird, insofern lohnt sich das immer.

Um nochmal auf den neuen Modus „Team Deathmatch“ zu kommen: Nett, aber fühlt sich nicht wie Battlefield an. Spawnen kann man nur zufällig, die Maps sind winzig (erst recht für Battlefield-Maßstäbe), Fahrzeuge gibt es keine und Taktik ist hier eigentlich nicht vorhanden.  Bei „Squad Deathmatch“ kommt da schon mehr Spaß bei mir auf, hier kann ich auch bei meinen Squad-Kollegen spawnen und die Klassen können auch sinnig genutzt werden.

Wo ich grade von den Klassen spreche: Die Langzeitmotivation ist recht hoch. Für jede Klasse gibt es massig Waffen und Gadgets freizuschalten, wofür wiederum weitere Sachen freigeschaltet werden können. So gibt es verschiedene Aufsätze wie z.B. 4x Zoom, Thermalsicht, aber auch Gadgets für Flug- und Fahrgeräte (von Störkörpern für Flugzeuge über Bewegungsmelder für Fahrzeuge). Bis da alles frei ist, dürfte einiges an Zeit vergehen.

Und sonst so?

Zu der 360-Version sollte ich noch erwähnen, dass man (optional) ein HD-Texture Pack installieren kann. Frisst knapp 2GB auf der Festplatte, lohnt sich aber eindeutig. Die Texturen sehen eindeutig schärfer und detailreicher aus.

Generell ist die Grafik eine Augenweide, grade für einen Multiplattformtitel. Die Lichteffekte sehn einfach nur schick aus, und ein Gebäude mal Stück für Stück auseinander zu nehmen ist auch sehr ansehnlich. Die neue Frostbite 2 – Engine kann eindeutig so einiges, auch wenn das auf dem PC nochmal ganz anders aussieht bin ich auf meiner Konsole nicht enttäuscht.

Die Server laufen mittlerweile größtenteils stabil, trotzdem kommt es noch zu unschönen Rucklern. Da sollte dringend nachgebessert werden. Auch die Tatsache, dass ich nur selten mit meinen Squad dann auch tatsächlich mal in einem Team lande ist doch mehr als ärgerlich. Hier scheinen nach wie vor nicht alle Bugs entfernt zu sein, auch da darf ich von einem dermaßen großen und wichtigen Titel mehr erwarten.

Auch wenn mich der Singleplayer etwas enttäuscht hat, ist es grade im Multiplayer genau das was ich erwartet und erhofft habe, nämlich schlicht DER Online-Shooter. Teamplay, massig Action, eine (fast) komplett zerstörbare Umgebung, Fahr- und endlich auch Flugzeuge, riesige Maps! Ich werde trotz der Bugs und der kleinen Macken trotzdem für lange Zeit kaum was anderes spielen. Obwohl… Ist ja nicht mehr lange bis Skyrim rauskommt…

// Redmaker [1854]

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